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Beginn
eines jeden Bildes ist das "Fundstück": Eisenteile, Bleistücke, Leder,
Seile, Federn, Haare, Asche und gleichwertig daneben Silben, Wörter und
Gedichte, oft wieder und immer wieder geschrieben, ihren Sinn
beschwörend.
Mehrer
Fundstücke werden zunächst wie im Spiel zusammengelegt, aufgereiht,
nebeneinander gestellt, weggelegt, ausgetauscht und auf ihren
Zusammenhang hin geprüft, um dann mit einer Sand- und Pappmachemasse
fixiert zu werden.
Durch das
Auftragen dieser Masse, durch Struktur und Eigenart, durch Verhalten
beim Ansetzen der Werkzeuge, wie Spachtel, Schaber und Kellen, entsteht
nach und nach das Bild. Bereits grob aufgetragen auf den Bildträger
vermittelt sie mit ihrer Sprödigkeit, Rissigkeit und Brüchigkeit ein
Bild und eine Einheit mit dem Fundstück, aus dem das "Wesen der Materie"
spricht, die durch Verschiebungen und Verstreichungen noch hervor
gehoben wird und immer neue Formen entstehen lässt. Die Papiere mit
ihrer Struktur, ihrem Volumen und ihrer Farbigkeit, oft vielfach
beschrieben, bilden eine zusätzliche, das Bild bestimmende Oberfläche.
Die
"Fundstücke", materiell arm und anspruchslos, sind immer Dinge, die im
Bezug zum menschlichen Leben stehen. Es sind Utensilien, die zum Schutz,
zur Sicherung und Bewältigung dienten, die Hülle, Hilfe und Trost waren,
die "Spuren" einer Vergangenheit tragen. Sie sind merklich verrottet,
oftmals nur noch ein letzter Rest ihrer selbst, ihre "Funktion" ist nur
noch die des Vergehens, bis zur letzten verbleibenden Spur: Farbreste,
Asche, Ruß.
"Aus der
vielfältigen Formensprache der Materialien entsteht während der Arbeit
eine Übereinstimmung zwischen mir, den dingen und Worten. Es entfaltet
sich ein poetischer Zusammenhang, der nicht allein in der Sprache der
Bilder oder Worte zu fassen ist. Es beginnt eine neue Gestaltwerdung, in
der das verlässliche überschritten und verwandelt ist. Eine Vernetzung
von Leben und Materie wird spürbar, die ich in dieser momentanen
Erkenntnis, im schöpferischen Bewusstsein des Vergänglichen, fest zu
halten suche."
In den
Bildern und Bildobjekten beginnt eine neue Gestaltwerdung, in der das
Verlässliche überschritten und verwandelt ist, in der Glück und Leid
eine eigene Sprache sprechen, die nicht die Sprache des Bestehenden ist,
aber doch die der Dinge und Menschen. Es entsteht eine neue
Wirklichkeit, welche die Möglichkeit in sich birgt, die Realität zu
transzendieren.
Eva-Maria Hermanns:
Kerperscheid 36, 53937 Schleiden,
Tel.: (02445) 911250, E-Mail: emhermanns@online.de |