Christa Wolff Bazart
Literatur: Norbert Scheuer: Kall, Eifel


Norbert Scheuer: "Kall, Eifel"

In 45 Episoden führt Norbert Scheuer die Einwohner der Eifelgemeinde Kall vor; mit ihren Schrulligkeiten und Träumen, mit ihrem Lebensüberdruss und ihren geheimen Lüsten. Dreh- und Angelpunkt des Romans ist die Dorfkneipe, in der sich die Wege der Romanfiguren kreuzen, von wo aus sich ein ganzer Kosmos von Geschichten entspinnt.

"Das Kaff in uns" hat Michael Kohtes in der ZEIT in Norbert Scheuers 45 locker verknüpften Miniaturen über die Bewohner des Dorfes Kall in der Eifel gefunden. Exzentriker, Selbstmörder, Verlassene und Verzweifelte, Scheuers Figuren scheinen dem Rezensenten Bewohner einer "zeitlosen Trostlosigkeit" zu sein. Er bewundert Scheuers Trick, gleichzeitig "spröde" und sachlich zu schreiben und doch "mit wenigen Strichen" die Szenerie von der Landschaft bis zum Licht einzufangen und damit eine Atmosphäre zu erzeugen, die die "Verlorenheit" der Figuren noch deutlicher herausstreicht. Norbert Scheuer ist für Kohtes ein gutes Beispiel für das literarische Potenzial der deutschen Provinz.
Quelle: www.perlentaucher.de

Nicht nur mit dem Titel lehnt sich Norbert Scheuers Erzählungsband an Sherwood Andersons "Winesburg, Ohio" an, stellt Ulrich Rüdenauer in der Frankfurter Rundschau fest. In seinen Geschichten aus der Eifel erzählt der Autor von "seelisch deformierten" Menschen, die in der Kleinstadt in einem trüben Alltagsleben gefangen sind, schreibt der Rezensent. Dabei werde in den Texten allenthalben die "Sprachlosigkeit" und die "Leere" spürbar, die die Menschen bedroht, so Rüdenauer weiter, der betont, dass Scheuer keinen "glücklichen Ort", sondern eine "verfallende Heimat" evoziert, die, wenn überhaupt, nur kurze "Glücksmomente" aufscheinen lässt. Der Erzähler bleibe dabei stets distanziert, wenn er auch aufmerksam diese "Szenerien der Melancholie", sei es im Wirtshaus bei den Betrunkenen oder bei den den "Zügen hinterher schauenden Jugendlichen", protokolliert.
Quelle: www.perlentaucher.de

Klaus Englert im Deutschlandfunk: "Immer sind es einzelne Figuren, denen sich Scheuer in einer lakonischen, fast spröden Sprache zuwendet. Und man merkt schnell, dass jede andere Sprache fehl am Platze wäre. Mit leisem, aber nie verletzendem Humor fängt er die alltägliche Tristesse ein, die sich manchmal zur Groteske steigert."

Norbert Scheuer: Kall, Eifel
Beck Verlag, 2005
2. Auflage 2006
191 Seiten

17.90 Euro
ISBN 3-406-53554-2